Liebesbriefe (doch nicht so?) großer Männer

„[…] sej ruhig, nur durch Ruhiges Beschauen unsres Dasejns können wir unsern Zweck zusamen zu leben erreichen – sej ruhig – liebe mich – heute – gestern – welche Sehnsucht mit Thränen nach Dir – Dir – Dir – mein Leben mein alles – leb wohl – o liebe mich fort – verkenn nie das treuste Herz Deines Geliebten L.

ewig dein

ewig mein

ewig unß“

Ach, wie herrlich, wie schön, wie großartig, wie… romantisch. Diese Zeilen schrieb Ludwig van Beethoven 1812 an eine nicht näher benannte „Unsterbliche Geliebte“. Meine Freundin schenkte mir zum Geburtstag ein Buch. „Liebesbriefe großer Männer“ heißt es und beinhaltet eine Sammlung von 50 Liebesbriefen, die von berühmten Köpfen und Händen geschrieben wurden. Darunter zu finden sind zum Beispiel Briefe von Charles Baudelaire, Albert Einstein, F. Scott Fitzgerald, Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich VIII., Heinrich von Kleist, John Lennon, Wolfgang Amadeus Mozart und dem zu Beginn zitierten Beethoven. Ein anderer, ebenfalls sehr herzerwärmender Brief, stammt von Richard Wagner, geschrieben 1858 an Mathilde Wesendonck:

„Aber sehe ich Dein Auge, dann kann ich doch nicht mehr reden; dann wird doch Alles nichtig, was ich sagen könnte! Sieh, dann ist mir Alles so unbestreitbar wahr, dann bin ich meiner so sicher, wenn dieses wunderbare, heilige Auge auf mir ruht, und ich mich hinein versenke! Dann giebt es eben kein Object und kein Subject mehr; da ist Alles Eines und Einig, tiefe, unermeßliche Harmonie! O, da ist Ruhe, und in der Ruhe höchstes, vollendetes Leben!“

Napoleon Bonaparte bittet seine Angebetet Joséphine de Beauharnais in einem Brief von 1796 sogar darum, nicht ganz so perfekt zu sein, damit er wieder eine klaren Gedanken fassen könnte:

„Ach! ich bitte Dich, laß mich einige Deiner Fehler sehen, sei weniger schön, weniger anmuthig, weniger zärtlich, weniger gut und vor allen Dingen weniger eifersüchtig, weine niemals, denn Deine Thränen rauben mir den Verstand, entzünden mein Blut. Glaube mir, daß ich nicht mehr im Stande bin, einen Gedanken zu haben, der nicht Dich betrifft, eine Idee, die Dir nicht unterthan wäre.“

Die Briefe umschmeicheln das Herz wie warmer Honig. Sie zeugen von zärtlichen Gefühlen und ergreifenden Sehnsüchten. Es könnte so schön sein, wenn das Buch nur die Briefe abgedruckt hätte. Aber die Herausgeber erzählen obendrein die Geschichte hinter den Briefen, beleuchten die Schreiber und Empfängerinnen, schildern die Hintergründe und das „Was danach geschah“. Das zu lesen ist in den meisten Fällen leider ziemlich ernüchternd und alles andere als romantisch: Manch einer betrog mit diesen Liebesbriefen seine Ehefrau oder die Briefe wurden an verheiratete Frauen gesandt. Viele Beziehungen scheiterten, nachdem die einstige Glut erlosch, nicht selten blieb eine ehemalige Geliebte alleine und mittellos mit einem Kind zurück. Es gab Liebschaften, die hielten dem gesellschaftlichen Druck oder Ruhm nicht stand, oder die Familie verhinderte eine Verbindung. Es gab Paare, die taten sich gegenseitig nicht gut, was dann im finanziellen, körperlichen und seelischen Ruin endete, sogar im gemeinsamen Selbstmord. Die Worte dieser Briefe sind groß, die Wirklichkeit dahinter meist nicht. Wie Lava erkaltet die Leidenschaft und hinterlässt ein steinernes Gespenst.

Mir wurde nach lesen dieses Buches ganz neu bewusst, wie anders doch der Liebesbrief ist, den Gott an uns, seine Kinder, geschrieben hat. Die Worte der Bibel sind voller Liebe und Leidenschaft, zärtlich und einfühlsam, hingebungsvoll und aufopfernd, vergebend und herausfordernd, nicht erdrückend, sondern raumgebend. Und das schönste, was wirklich zutiefst romantisch ist: Sie gelten nach wie vor und werden ewig gelten!

Hier ein klitzekleiner Ausschnitt:


„Ich bin der Herr, der barmherzige und gnädige Gott. Meine Geduld ist groß, meine Liebe und Treue kennen kein Ende!“ 2. Mose 34, 6 „So viel bist du mir wert, dass ich Menschen und ganze Völker aufgebe, um dein Leben zu bewahren. Diesen hohen Preis bezahle ich, weil ich dich liebe.“ Jesaja 43, 4 „Ich bleibe derselbe; ich werde euch tragen bis ins hohe Alter, bis ihr grau werdet. Ich, der Herr habe es bisher getan, und ich werde euch auch in Zukunft tragen und retten.“ Jesaja 46, 4 „Berge mögen einstürzen und Hügel wanken, aber meine Liebe zu dir wird nie erschüttert, und mein Friedensbund mit dir wird niemals wanken. Das verspreche ich, der Herr, der sich über dich erbarmt!“ Jesaja 54, 10 „Unauslöschlich habe ich deinen Namen auf meine Handflächen geschrieben.“ Jesaja 49, 16 


 

 

Alle Briefe wurden zitiert aus: Liebesbriefe großer Männer, Petra Müller

und Rainer Wieland (Hrsgg.), München – Berlin, 2016.

 

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