Kuschelzeit

Ich sitze gemütlich auf der Couch als meine kleine Tochter auf meinen Schoß klettert. Sie schlingt ihre Ärmchen um meinen Hals und drückt ihr Gesicht an meine Schulter. Sie möchte kuscheln. Ich freue mich und genieße den Moment. Dort, wo sie atmet, wird meine Haut warm und leicht feucht. Ich streiche ihr über den Rücken, spüre ihren schnellen Herzschlag und rieche den Duft von frisch geschälten Mandarinen. Es ist zu schön. Doch es dauert nicht lange und sie hält es nicht mehr aus still zu sitzen. Sie beginnt, ständig ihre Position zu verändern, rutscht auf meinem Schoß hin und her, schaut mal hierhin, mal dorthin, um anschließend wieder von meinem Schoß runterzurutschen, weil sie am Boden etwas Interessantes entdeckt hat, klettert wieder auf mich und das Spiel beginnt von neuem. „Willst du denn jetzt mit mir kuscheln?“, frage ich sie. Klar, sagt sie, natürlich. Und trotzdem geht es danach weiter wie bisher. Es gibt eigentlich keine Möglichkeit, sie nochmal an mich zu drücken. Und bald ist sie auch verschwunden und ich bin wieder allein. Ich denke gerade darüber nach, wie schwer es ist, mit der Kleinen mal einen kurzen Moment der Ruhe zu haben, da kommt mir plötzlich ein ganz anderer Gedanke. Wie sieht es denn mit meinen Ruhemomenten mit Gott aus? IMG_20181203_110056410 Es ist auch mein Wunsch, Zeit mit Gott zu verbringen, mich in seiner Gegenwart zu wissen und geborgen zu fühlen, ja, zu kuscheln. Weil es mir gut tut und weil ich es genieße in den Armen meines Vaters zu sein. Doch was mache ich? Meistens hetze ich durch den Tag, nehme mir nicht viel Zeit und wenn doch, bin ich oft innerlich unruhig, weil ich im Kopf meine To-Do-Liste des Alltags durchgehe. Ich schalte nicht ab. Ich lasse mich nicht fallen. Ich bin ständig in Bewegung. Und dann wundere ich mich, dass ich die Nähe Gottes nicht erlebe. Wie auch? Wenn ich mich immer auf seinem Schoß winde und eigentlich meine Aufmerksamkeit anderen, vermeintlich interessanteren, Dingen schenke. So wie mit meiner kleinen Tochter. Eigentlich möchte sie gerne in meiner Nähe sein. Nach einem Alptraum oder nach einem Sturz, klammert sie sich schluchzend an mich und lässt erst wieder los, wenn es ihr wieder besser geht. Dieses Verhalten kommt mir ziemlich bekannt vor. Dasselbe mache ich oft mit Gott. Glücklicherweise ist Gott geduldiger als ich. Trotzdem sehnt er sich bestimmt nach uns, nach seinen Kindern, mit denen er Zeit verbringen möchte. Auch Jesus suchte ständig die Nähe zu seinem Vater. Gott hat uns diese Sehnsucht in unser Innerstes eingegeben. So schrieb auch David:

„Mein Herz spricht dir nach: ‚Sucht meine Nähe!‘ Ich suche deine Nähe, Jahwe.“
Psalm 27, 8

img_20160730_175638562_hdr

Ich möchte mich ganz neu sehnen. Besonders, da mir die Nähe zu meinem Schöpfer mehr als ein gutes Gefühl gibt. Gott macht mich heil, vollkommen und frei. Er beschenkt mich mit reiner Liebe und allumfassender Gnade. Vielleicht werde ich nun öfter daran denken, wie ich auf dem Schoß des allmächtigen Schöpfers ruhen darf.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s