Muttertag

Dass es auf Muttertag zugeht, kann man ganz einfach an den vielen herzförmigen Verpackungen oder herzförmigen Lebensmitteln erkennen, die plötzlich in den Regalen der Supermärkte liegen. Werbetexter überschlagen sich geradezu an Lobhymnen und Bilder von weichgezeichneten Frauen lächeln sanft um die Wette. Ich mag den Muttertag. Die wunderschönen Basteleien meiner Kinder und ihr Bestreben, mir einen herrlichen Tag bereiten zu wollen. Aus Dankbarkeit und aus Liebe. Und ich freue mich unglaublich darüber und die Schmetterlinge in meinem Bauch flattern wie wild dazu.

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Was mir nicht gefällt, ist das Bild der Mutter, das besonders an diesen Tagen vermittelt wird. Der Mythos der perfekten Mutter. Die Medien spielen gerne damit und plustern die Vorstellung auch schon mal auf. Für mich war dieses Bild lange Zeit nur eines: überfordernd. Eine Herausforderung, der ich nicht gewachsen war. Und es geht ja nicht nur mir so. Ich habe viele Mütter, aber auch Väter, in meinem Freundeskreis, die daran zweifeln, gute Eltern zu sein, obwohl sie in meinen Augen liebevoll sind und das Beste für ihre Kinder wollen. Viele scheitern an diesen Bildern aus Filmen oder Socialmedia und leben mit Selbstzweifeln und Selbstvorwürfen, weil sie Angst haben, nicht zu genügen. Überall werden uns perfekte Leben und perfekte Persönlichkeiten vorgeführt.

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Doch meine Einstellung veränderte sich. Irgendwann dachte ich, dass es auch gar nicht meine Absicht sein sollte, meinen Kindern eine perfekte Mutter, geschweige denn, ein perfekter Mensch zu sein. Denn weder bin ich das, noch werden meine Kinder das jemals sein, weil wir nun mal eben Menschen sind. Ich möchte meinen Kindern nicht Perfektion vorleben, sondern den Umgang eben mit diesem Unperfektsein. Das bedeutet, dass ich Fehler mache. Genauso wie sie in ihrem Leben einmal Fehler machen werden. Doch ich möchte ihnen den Umgang damit lehren. Das Lernen aus eben jenen Fehlern, das wieder aufstehen, das sich damit auseinandersetzen. Und das wichtigste: Wo es nötig ist, um Verzeihung bitten oder zu vergeben.  Wenn ich meinen Kindern Unrecht getan habe, entschuldige ich mich bei ihnen. Sie dürfen erkennen, dass ich Fehler machen, dass ich dafür jedoch gerade stehe und mich dafür entschuldige. Ich möchte meinen Kindern vermitteln, dass wir aus Liebe und Vergebung heraus leben. Und dass dies nicht aus mir heraus geschieht oder aus meiner Kraft möglich ist, sondern dass wir einen großen und gütigen Gott haben, der die Quelle für all das ist. Ich möchte meinen Kindern zeigen, dass ich abhängig bin von Gott. Dass ich sie über alles Liebe und diese Liebe ihren Ursprung in Gottes Liebe zu mir hat. Das hoffe und bete ich, dass meine Kinder dies lernen und erfahren!

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4 Gedanken zu “Muttertag

  1. Edith Leistner

    Es ist ein Lernprozess, zu verstehen, dass alles sehr gut ist, was Gott gemacht hat (1. Mose 1, 31). Von perfekt war nie die Rede bei unserem Schöpfer. Und so wie er es gemacht hat ist es das Beste. Alles andere wird uns von seinem Gegenspieler suggeriert. Aber in der Gegenwart unseres Schöpfergottes dürfen wir sein. Einfach nur sein. Das ist wunderbar.

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  2. Mir geht es genauso. Ich denke, wir müssen erstmal in unsere neue Rolle hereinwachsen und begreifen, was möglich ist und was auch nicht. Es sind ja auch unsere eigenen Vorstellungen von Elternschaft, die sich verändern, wenn wir tatsächlich Kinder haben 🙂

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