Erstickende Angst

Tanzen begeistert mich. Ein Kurs, den ich besuche, heißt Freies Tanzen. Jede Woche gibt es ein anderes Thema, doch für mich persönlich ist es immer dasselbe: ich lobe Gott. Dabei freue ich mich an meinen Bewegungen und an denen der anderen Kursteilnehmer. Immer tanzt jeder für sich und doch bilden wir eine Einheit, selbst, wenn ich die Augen schließe, spüre ich ihre Bewegungen, manchmal nicht mehr als einen Luftzug.

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Letzte Woche sollten wir uns auf ein Gefühl, dass uns gerade durch den Kopf geht, leiten und unsere Bewegungen daraus heraus entstehen lassen. Ich musste sofort an das Gefühl der Angst denken. Ich schob den Gedanken aber sofort wieder beiseite, da ich mich eigentlich wieder auf meinen Lobpreis für Gott freute. Außerdem wollte ich mich nicht auf so ein schreckliches Gefühl einlassen. Während sich die ersten im Raum bereits im Takt zu den ersten Klängen wiegten, versuchte ich gegen den inneren Drang anzukämpfen, mich auf dieses Gedankenspiel einzulassen. Ich wollte dieses Gefühl nicht zulassen und versuchte, wenigstens an eine andere Emotion zu denken. Doch es klappte nicht. Irgendwann gab ich nach und ließ mich einfach darauf ein. Immerhin war es mir auf diese Weise möglich, Angst aus einer gewissen Distanz zu betrachten, dachte ich.

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Was ich dann erlebte, erschreckte mich zutiefst. Die Erinnerungen an das Gefühl der Angst, an die Momente und Lebensphasen, in denen Angst und Furcht mein Leben bestimmten, beeinflussten meine Art zu tanzen enorm. Normalerweise bewege ich mich mit großen Bewegungen durch den Raum, springe auch mal ausgelassen wie meine Kinder umher, beobachte mit Freude die Bewegungen der anderen und versuche daraus ein fließendes Miteinander entstehen oder mich inspirieren zu lassen. Nun waren meine Bewegungen klein und verkrampft, eintönig und verschlossen. Ich blieb in einer Ecke des Raumes für mich allein, ich beachtete die anderen gar nicht. Ich fürchtete mich, neue oder schwierige Bewegungen auszuprobieren, aus Angst, zu scheitern. Unsicherheit war zu meiner Körpersprache geworden. Dementsprechend beendete ich die Stunde am Boden, zusammengekugelt in einer Ecke. Als ich meine Augen öffnete, sah ich, dass alle anderen zusammen im Kreis saßen. Und ich war traurig, nicht Teil davon gewesen zu sein.

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Auf dem Heimweg beschäftigte mich diese Erfahrung. Und ich musste an meinen Taufvers denken:

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst!
Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“
Jesaja 43, 1

Die Aufforderung „Fürchte dich nicht!“ steht so oft in der Bibel. Hier mal nur ein paar Beispiele:

Nachdem Mose gestorben war, wurde Josua sein Nachfolger. Gott beauftragte ihn nicht nur, die Israeliten anzuführen, sondern auch das Land Kanaan einzunehmen. Und Gott spricht zu Josua:

„Ja, ich sage es noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.“
Josua 1, 9

Jesus sprach zu den Menschen, dass sie sich nicht von ihren Sorgen beeinflussen lassen sollen:

„Fürchte dich nicht, du kleine Herde;
denn es hat eurem Vater gefallen, euch das Reich zu geben.“
Lukas 12, 33

Und Gott ermutigt Paulus in einer Vision, weiter zu den Juden zu sprechen:

„Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht!“
Apostelgeschichte 18, 9

Immer wieder spricht Gott den Menschen zu, keine Angst zu haben. Und nach dem gestrigen Abend wurde mir noch einmal erneut bewusst, warum. Die Angst schränkt mich ein, raubt mir meine Fröhlichkeit und Hoffnung, versperrt mir die Sicht auf die Menschen um mich herum, auf meinen Nächsten, und setzt den Fokus auf mich selbst, sie lässt mich zögerlich und mutlos handeln und blockiert meine Kreativität, sie hält mich klein und drückt mich nieder. All das, was Gott nicht für mich möchte. Der Stein vor Jesu Grab ist weggerollt, der Weg ist frei. Die Dunkelheit, die uns gefangen halten möchte, hat keine Macht mehr über uns. Und das gilt auch für die Ängste in dieser Welt, die uns in Ketten legen wollen, uns trennen wollen von unserem Gott und unseren Geschwistern, die uns auf allen vieren durch unser Leben tasten lassen, kaum wagend, den Blick zu heben und unsere Würde als Kinder Gottes anzunehmen. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich mich an diesem Abend auf dieses Gedankenspiel eingelassen habe. Es hat mir noch einmal gezeigt, wie ich nie wieder leben möchte. Ich möchte aus der Auferstehungskraft Jesu heraus leben und ihm meine Sorgen vor die Füße werfen. Denn dann kann ich erkennen, wie winzig sie im Vergleich zu seiner Größe sind.

2014-07-27 12.10.22

4 Gedanken zu “Erstickende Angst

  1. Sue Kraßnig

    OOOOh ja, ich kenne das auch. Es heißt ja so schön man ist gelähmt vor Angst. Vielen Dank, dass Du das so toll in diesem Artikel festgehalten hast. Zu wissen, dass wir nie alleine sind, dass Gott immer bei uns ist, ganz egal was passiert, welche Herausforderung wir zu bestehen haben, das ist großartig. Und ich denke obwohl wir das wissen, gibt es Momente, wo wir darum kämpfen müssen, dass die Angst uns nicht beherrscht. Ich wünsche dir viel Freude beim Tanzen, genieße es auch weiterhin so sehr! Und ja, manchmal tut es gut solche Erfahren zu haben, weil wir dann wissen wie gut es uns eigentlich geht, wenn es uns gut geht. 🙂

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  2. Edith Leistner

    Vielen Dank für den Artikel. Er beschreibt wunderbar das, was ich auch schon viele Male erlebt habe. Da fällt mir immer wieder der Vers aus der Bibel ein, der in Johannes 16,33 steht: In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

    Gefällt 1 Person

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