Zurück

Lichtspurensucher ist zurück aus der Sommerpause. Schön, dass du wieder dabei bist! Wieder möchte ich dich teilhaben lassen an meiner Suche nach den Fingerzeigen Gottes, nach den Lichtspuren, die wir in unserer Welt finden können. Da ich mich mit einem sehnsuchtsvollen Reisebericht in die Ferien verabschiedet hatte, möchte ich dich nun an einer fernwehhaften Erinnerung von unserer Reise teilhaben lassen.

Zurück aus dem Urlaub bin ich erst einmal ein wenig wehmütig. Ich genieße es, mit meinen Herzensmenschen unterwegs zu sein, die Nähe, die wir dann miteinander haben, das Lachen über Witze, die nur wir verstehen, genauso wie die Streitereien, deren Ursprünge auch für uns meist unerklärlich bleiben, die stillen Momente des einfach nur Dasitzens, den Trubel und das Chaos, wenn etwas schief läuft, eine Schürfwunde, die durch mehrere wohltuende Puster besser heilt, ein geflüstertes „Hab dich lieb“, das an Intimität nicht zu überbieten ist, Abenteuer, die nur wir teilen und zu unseren werden und unerzählbar für andere sind.
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Dieses Jahr durften wir zwei märchenhafte Wochen auf Sardinien verbringen, eine Insel, die ich vollkommen unterschätzt hatte und deshalb umso überwältigter war. Wir sind keine wirklichen Strandurlauber, sondern genießen es, die Umgebung zu erkunden und verschiedene Facetten unseres Urlaubsortes kennenzulernen. An einem Tag hatten wir uns vorgenommen, ans Capo Testa zu fahren. Der Reiseführer schwärmte in den höchsten Tönen von dieser kleinen Halbinsel im Norden Sardiniens. So machten wir uns an einem Morgen ganz früh von unserer Ferienwohnung auf den Weg, denn die reine Fahrtzeit dorthin betrug fast drei Stunden und das über kurvige Straßen, die nicht immer im besten Zustand waren. Ein Alptraum für meine kleine Tochter, die das Autofahren sowieso nicht gut verträgt. Ich möchte nicht ins Detail gehen, aber drei Kotztüten markierten unsere Route.
IMG_20190809_102237144Am Ziel angekommen, suchten wir vergeblich nach einem Parkplatz. Wir reihten unser Auto in eine lange Schlange parkender Autos am Straßenrand ein und hofften einfach darauf, dass die Polizei an diesem heißen Tag ein mildes Gemüt und ein Herz für Touristen hätte. Schon die ersten Ausblicke auf das „Kopfende“ Sardiniens überwältigten uns. Das Inselchen bietet ein wunderschönes Naturschauspiel, das kaum abwechslungsreicher und unwirklicher sein könnte. „…wie eine ungeheure Menge Knetmasse, die ein Riese zerstampft und zerbröselt hat…“, so beschreibt der Reiseführer die bizarre und verschrobene Granitlandschaft. Verwitterte Tafoni-Felsen bilden groteske Formationen aus Granit, modelliert von hohen Wellen und dem trotzigen Mistral-Wind.
IMG_20190809_135543400Wir schmierten uns dick mit Sonnencreme ein und bepackten unsere Rucksäcke mit mehreren Litern Wasser und Proviant. Unsere Badesachen trugen wir unter unserer Kleidung, denn das hatten wir in den vergangenen Tagen auf Sardinien gelernt: man weiß nie, wann der nächste schöne Strand zum Baden einlädt.

Unser Ziel war das schwer zugängliche Mondtal, das Valle della Luna. Dort lebten in den 60er und 70er Jahren zahlreiche Hippies, bis das Zelten dort verboten wurde. Doch auch heute noch entdeckten wir das eine oder andere Zelt, das sich unter Felsvorsprüngen duckte oder sich in einer Höhle versteckte. Wir liefen durch das harte Gestrüpp der Macchia, das uns manchmal undurchdringlich erschien, zwängten uns durch enge Felsspalten und kletterten über Felsen so groß wie Kleinwagen, die uns den Weg versperrten.

Der Schweiß tropfte uns am ganzen Körper herunter, die Sonne brannte erbarmungslos und so manchen Kratzer auf unseren Beinen hinterließ der schroffe Weg. Doch all die Strapazen waren es wert. Hinter jeder Biegung schien sich die Landschaft zu verändern, die Farben des Gesteins wechselten von ocker zu grau bis hin zu einem strahlenden weiß. Aus den Macchiabüschen dampfte ein würzig-pfeffriger Duft hervor und krabbelte in unsere Nasen. Das Meer war allgegenwärtig. Entweder hörten wir die Gischt, die an den Felsen leckte, oder rochen und schmeckten das Salz in der Luft und manchmal stießen wir tatsächlich überraschend ans Ufer und blickten in sein tiefblaues Auge. Manche Täler wirkten wie Mondlandschaften, das Erkennen von Gesichtern, Tieren und Formen in den grotesken Felsformationen wurde zum Spiel, das niemandem schwerfiel. Und immer wieder trafen wir auf zauberhafte Buchten und unwirklich schöne Sandstrände.

Als wir das Tal erreichten, waren wir erst einmal ausgelaugt. Die Hitze hatte uns zu schaffen gemacht und die vielen Eindrücke müde. Wir setzten uns in den Schatten, tranken viel und aßen eine Kleinigkeit. Doch eigentlich waren unsere Gedanken schon längst von etwas anderem in den Bann gesogen worden: von dem türkisfarbenem, glasklaren, glitzernden Wasser, dem sanften Wiegen und Plätschern der Wellen und von der Abkühlung, die es uns flüsternd versprach. So dauerte es auch nicht lange, bis wir unsere erhitzten Körper in die seidigen Fluten gleiten ließen, abwechselnd die Fische, die ein paar Meter unter uns schwammen, oder den azurblauen Himmel über uns beobachteten. IMG_20190809_150232302Danach ließen wir uns von der Sonne auf den Felsen trocknen. Die Schneckenhäuser, die die Kinder gesammelt hatten, waren wieder zurück ins Meer gelaufen, denn sie waren von Einsiedlerkrebsen bewohnt gewesen. Dann machten wir uns auf den Rückweg, für den wir einen kürzeren Weg wählten. Wieder am Startpunkt unserer Wanderung angekommen, klettern wir noch ein wenig auf den eigenwilligen Felsformationen am Meer herum, die tatsächlich an gekautes Kaugummi erinnerten, und ich hatte das Gefühl, beim nächsten Schritt einsinken zu können. Und weil uns dabei wieder zu heiß geworden war, sprangen wir in dieser Bucht noch einmal in die erfrischenden Fluten. IMG_20190809_135630656Am späten Nachmittag fuhren wir erschöpft, aber zufrieden, wieder zurück. Dankbarkeit umschloss mein Herz und ich war wieder einmal erstaunt darüber, was Gott mit viel Liebe und Leidenschaft zum Detail für uns, seine Kinder, zur Freude erschaffen hatte.

Die Kleine schlief bald schon ein. Keine Kotztüte säumte unseren Rückweg…

 

 

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